# Kommerz und so….
bevor eine seminararbeit weiter in meinem uni-ordner verstaubt, geb ich ihr die chance, das licht der internet-welt zu erblicken.
es geht dabei um nichts geringeres als die totale manipulation durch die medien und den absichten dahinter aus der sicht der kritischen theorie (KT).
eine kurze info zur KT:
das vorgestellte werk “kulturindustrie: aufklärung als massenbetrug” wurde 1947 von Theodor Adorno und Max Horkheimer im amerikanischen exil verfasst. die erfahrungen von nationalsozialismus, stalinismus, etc. zu ihrer zeit ließen bei ihnen die frage aufkommen:
warum ergeben sich menschen widerstandslos der barbarei?
diese “barbarei” war für die KT nicht mit dem 2WK zu ende, sondern wurde durch die “kulturindustrie” abgelöst.
kulturindustrie beschreibt den unendlichen markt der vergnügungsgüter – etwa musik, film, radio, “events”,… – die mechanismen, wie diese an den mann/ die frau gebracht werden – werbung, ständige wiederholungen, – und die dahinterliegenden herrschaftsinteressen.
trotz des fortgeschrittenen alters der theorie betrachtet auch sie kritisch das aufkommen neuer medien und verbreitungsformen (in erster linie radio, schallplatte, film und fernsehen). obwohl diese medien durchwegs veraltert sind, können dennoch parallelen zu modernen entwicklungen (handy, internet, web2.0,…) gezogen werden.
wichtig ist noch zu erwähnen, dass die KT nie eine festgefahrene, absolute gültige position zum umgang mit der welt anbietet. sie gesteht sich offen zu, nicht zu wissen, was die bestmögliche methode ist, das leben zu gestalten. es gibt keinen unumstößlichen plan, nach dem alles perfekt abläuft. die KT sah ihre aufgabe einzig darin, das schlechte aufzuzeigen und es nicht mehr zuzulassen.
„das Falsche, einmal bestimmt, erkannt und präzisiert, (ist) bereits Index des Richtigen, Besseren (…)“ (Adorno)
soviel zur einführung.
um nicht sofort meine gesamte blog-munition nach langer abwesenheit zu verschießen, kommen heute mal nur die einzelnen punkte, die ich in meiner seminararbeit bearbeitet habe und die euch hoffentlich zum weiteren verfolgen dieses artikels bewegen.
- “Reproduktion des immer gleichen”
- “Amusement”
- “Reklame”
- “Pseudoindividualität”
- “Kulturindustrie und Herrschaft”
ich werd versuchen diesen artikel jeden tag oder jeden zweiten oder einmal in der woche um einen dieser punkte zu erweitern!
so, hier wie versprochen und mit verspätung mal das erste kapitel!
1. Reproduktion des Immergleichen
Durch die neuen technischen Möglichkeiten sehen Horkheimer und Adorno nicht nur eine Dynamik, die stets neues hervorbringt, sondern sie befürchten die „Reproduktion des immer gleichen“.
„Bei allem Fortschritt der Darstellungstechnik, der Regeln und Spezialitäten, bei allen zappelnden Betrieb bleibt das Brot, mit dem Kulturindustrie die Menschen speist, der Stein der Stereotypie.“ (Horkheimer/Adorno2008: 157)
„Jeder Film ist die Vorschau auf den nächsten, der das gleiche Heldenpaar unter der gleichen exotischen Sonne abermals zu vereinen verspricht.“ (Horkheimer/Adorno2008:172)
„Durchweg ist dem Film anzusehen, wie er ausgeht, wer belohnt, bestraft, vergessen wird, und vollends in der leichten Musik kann das präparierte Ohr nach den ersten Takten des Schlagers die Fortsetzung raten und fühlt sich glücklich, wenn es wirklich so eintrifft“
(Horkheimer/Adorno2008:133)
Die Schemata „leicht verdaulicher“ Filme und Musik sind also stets dieselben. Dem/der HörerIn/BetrachterIn soll der Konsum von Kulturgüter kein emotionaler Aufwand sein, er/sie will sich in erster Linie vom monotonen Arbeitsalltag erholen, sich berieseln lassen und nicht durch unübliche, nicht vertraute Abfolgen von Handlungen oder Tönen verwirrt werden. Neue Formate werden dabei von vornherein als Risiko ausgeschieden. Experimental- und Avantgardefilme werden zumeist nur einem kleinen Publikum vorbehalten und schaffen es nicht oder nur zu spätabendlichen Stunden in das Fernsehprogramm. Demgegenüber stehen „Blockbuster“, also Filme, die vor deren Ausstrahlung als „must see“ gepriesen werden und mit den immergleichen Namen der Stars, die für die angebliche Qualität des Films sprechen sollten, bei den ZuseherInnen Vertrautheit auslösen.
Ebenso verhält es sich mit der Musik. Betrachtet man die Top10 der Verkaufscharts, so finden sich in beinahe allen Ländern dieselben MusikerInnen, die nach den immer gleichen Mustern ausgewählt und produziert werden. Selbst in sogenannten Castingshows, die vorgeben, dass das Publikum entscheide, wer diese gewinnt, spielt die „Partizipation“ des Publikums ohnehin keine Rolle, da das Ergebnis stets dasselbe ist und es unerheblich ist, von wem die fertig geschriebenen und komponierten Stücke an den/die KonsumentIn gebracht werden. Innovative, neue Musik muss sich zunächst etabliert haben beziehungsweise eine zumindest gewinnbringende Anzahl an InteressentInnen anziehen, bevor große Radiosender, Labels und AgentInnen sich dieser annehmen. Ursprünglich nichtkonformistische Musikstile, wie Rock and Roll, Punk, Techno oder Hip Hop wurden ihrer kritischen Elemente beraubt, um sie mit Hilfe der Kulturindustrie salonfähig zu machen. (vgl. Schülein/Brunner1994: 191)
„Was widersteht, darf überleben nur, indem es sich eingliedert.“ (Horkheimer/Adorno2008: 140)
2. „AMUSEMENT“
Allgemein kann zum Amusement aus der Sicht der Frankfurter Schule der oft verwendete Satz „Gelacht wird darüber, daß es nichts zu lachen gibt“ (Horkheimer/Adorno2008: 149) angeführt werden. Das Amusement wird zu einem Produkt der Kulturindustrie, die dieses produziert und steuert. Es dient vor allem dem unhinterfragten Hinnehmen der gesellschaftlichen Zustände und dem Verdrängen des Leids auf der Welt. Die Menschen sollten sich mit ihrer Situation abfinden und nicht danach trachten, Ungerechtigkeit zu thematisieren und schon gar nicht danach, diese aufzuheben versuchen. Wer mit den existierenden Strukturen nicht zurechtkommt ist in erster Linie selbst daran Schuld, wer sich hingegen dem Diktat der Kulturindustrie unterwirft, wird belohnt und erfolgreich sein.
„Amusement ist die Verlängerung der Arbeit unterm Spätkapitalismus. Es wird von dem gesucht, der dem mechanisierten Arbeitsprozeß ausweichen will, um ihm von neuem gewachsen zu sein.“ (Horkheimer/Adorno2008: 145)
Die Menschen suchen nach Zerstreuung, um sich nicht ihrer Gedanken über ihre möglicherweise sinnlosen, das System, so wie es ist, einzementierenden Tätigkeiten, bewusst zu werden. Doch selbst bei der Betrachtung des „immer gleichen“ werden sie an ihre Verrichtungen erinnert und lassen diese als unveränderlich gegeben, Gott gewollt erscheinen. Der Konsum monotoner, immergleicher Abläufe in der Kulturindustrie als möglicher Weg um dem monotonen, immergleichen Arbeitsalltag zu entfliehen, bedeuten für Adorno und Horkheimer „die Verlängerung der Arbeit unterm Spätkapitalismus“.
Doch der Gebrauch der von der Kulturindustrie bereitgestellten Güter soll nicht nur dazu dienen, sich mit der eigenen Situation abzufinden, sondern es soll sich auch die „automatisierte Abfolge genormter Verrichtungen“ (Horkheimer/Adorno2008: 145) einprägen. Das Wesen der Arbeit im Spätkapitalismus ist es, dass einzelne Arbeitsschritte ohne weiteres beziehungsweise nach einer kurzen Einschulungsphase auch von anderen Personen durchgeführt werden könnten. Durch das stets Monotone der Kulturindustrie werden die Menschen daraufhin getrimmt, diese Tätigkeiten übernehmen zu können.
„Sofern die Trickfilme neben Gewöhnung der Sinne ans neue Tempo noch etwas leisten, hämmern sie die alte Weisheit in alle Hirne, dass die kontinuierliche Abreibung, die Brechung allen individuellen Widerstandes, die Bedingung des Lebens in dieser Gesellschaft ist. Donald Duck in den Cartoons wie die Unglücklichen in der Realität erhalten ihre Prügel, damit die Zuschauer sich an die eigenen gewöhnen.“ (Horkheimer/Adorno2008: 147)
Durch das Vorführen des „Immer Gleichen“ verweilt der Mensch in Resignation, er anerkennt die Machtlosigkeit, gegen die Ungerechtigkeiten vorzugehen. Die Kulturindustrie lässt im Konsumenten/ der Konsumentin die Möglichkeit des Widerstands nicht aufkommen. (vgl. Horkheimer/Adorno2008: 150)
„Vergnügtsein heißt Einverstandensein.“ (Horkheimer/Adorno2008:153)
„Vergnügen heißt allemal: nicht daran denken müssen, das Leid vergessen, noch wo es gezeigt wird. Ohnmacht liegt ihm zu Grunde. Es ist in der Tat Flucht, aber nicht, wie es behauptet, Flucht vor der schlechten Realität, sondern vor dem letzten Gedanken an Widerstand, den jene noch übriggelassen hat.“ (Horkheimer/Adorno2008:153)
Wer sich dem Amüsement hingibt, verschließt also die Augen vor der tatsächlichen Beschaffenheit der Welt und akzeptiert somit stillschweigend die gegenwärtigen Herrschaftsverhältnisse. Das Vergnügen ist daher keine Flucht vor der trostlosen Realität, sondern eine vor dem letzten Gedanken des Widerstands. Durch die uns ständig umgebenden Verheißungen der Kulturindustrie, werden diese nach und nach als Realität und Normalität anerkannt und untergraben somit die Notwendigkeit des Widerstands!
3. REKLAME
Die allgegenwärtige Reklame legt fest, wie der allgemeine Geschmack zu sein hat, was anzustreben ist und durch den Konsum welchen Produkts diese Glückseligkeit erreicht werden kann.
„Die Heroisierung des Durchschnittlichen gehört zum Kultus des Billigen. … Der herrschende Geschmack bezieht sein Ideal von der Reklame, der Gebrauchsschönheit.“ (Horkheimer/Adorno2008:165)
Dabei stehen aber bei weitem nicht jedem dieselben Mittel zur Verfügung:
„Nur wer die exorbitanten Gebühren, welche die Reklameagenturen … erheben, bezahlen kann, also wer schon dazu gehört …, darf überhaupt den Pseudomarkt als Verkäufer betreten.“ (Horkheimer/Adorno2008:171)
Das bedeutet wiederum einen Ausschluss des Neuen und fördert die Existenz des „Immer Gleichen“. Damit bleiben die Herrschenden weiterhin unter sich und können den anzustrebenden Geschmack der KonsumentInnen festlegen. Dies beschränkt sich aber nicht nur auf Konsumartikel sondern auch auf Freizeitangebote, wie zum Beispiel Konzerte oder Musikfestivals. Bringt man das nötige Geld auf, um eines dieser „events“ dementsprechend bewerben zu können, so erreicht man auch eine enorm große Zielgruppe. Durch die ständige Präsenz im Fernsehen, Radio, auf Plakatwänden und im Internet bleiben sogenannte gesellschaftlich relevante Großereignisse auch den eigentlich Desinteressierten nicht verborgen.
Die Reklame ist also allgegenwärtig; „die Landschaft wird zum bloßen Hintergrund für Schilder und Zeichen.“ (Horkheimer/Adorno2008: 172) Es erscheint als Unmöglichkeit den Verheißungen der Werbung zu entfliehen, da sie uns ständig umgibt. Auf den Straßen von den Plakatwänden, im Radio und Fernsehen in Form von Werbespots, im Internet auf unzählige durchaus innovative, aber auch aufdringliche Art und Weise (Pop-Ups, Spam, Targeting,…), in den Zeitungen durch Inserate, die oft so gemacht sind, dass man „Bild und Text der Reklame von denen des redaktionellen Teils schon kaum mehr unterscheiden“ (Horkheimer/Adorno2008: 172) kann.
Durch das ständige Wiederholen und die Omnipräsenz erhalten Werbeslogans den Charakter totalitärer Parolen: „Das blinde und rapide sich ausbreitende Wiederholen designierter Worte verbindet die Reklame mit der totalitären Parole.“ (Horkheimer/Adorno2008:175)
Im Besonderen sei hier auf den Werbeslogan einer Elektronikhandelskette hingewiesen, der wohl eine ganze Epoche des „Shoppingfiebers“ mitgeprägt hat, nämlich:
„Geiz ist geil!“
Der Slogan vermittelt den KonsumentInnen, dass ein Produkt in erster Linie billig zu sein hat, ungeachtet der Qualität, der Serviceleistungen und der Arbeitsbedingungen der MitarbeiterInnen und ErzeugerInnen. Dieses Motto entstand in einer Zeit der „Schnäppchenjagd“, die den Menschen erfolgreich das Paradoxon vermittelt – nur wer einkauft, kann auch sparen. Viele MoralistInnen sahen dadurch schon den Untergang des Abendlandes nahen, da eine der sieben Todsünden (Geiz) zum wesentlichen Kaufentscheidungskriterium erhoben wurde und es kam zu teils heftigen Diskussionen, was vermutlich auch die Intention der Werbefachleute war.
4. PSEUDOINDIVIDUALITÄT
Die Kulturindustrie will den Menschen ein allumfassendes Sortiment an identitätsstiftenden Produkten anbieten, die scheinbar die Persönlichkeit des Konsumenten/der Konsumentin hervorheben, Doch das von der Kulturindustrie zur Verfügung gestellte Angebot, nach dem die KonsumentInnen greifen sollten, ist dennoch wieder ein Massenprodukt, wodurch kein Individualismus aufkommen kann.
Doch es gibt nur einen „Schein von Konkurrenz und Auswahlmöglichkeit“ (Horkheimer/Adorno2008: 131) im Grunde aber sind sich alle Produkte sehr ähnlich. Die Kulturindustrie stellt jedem ein entsprechendes Produkt gegenüber: „Jeder soll sich gleichsam spontan seinem vorweg durch Indizien bestimmten >>level<< gemäß verhalten und nach der Kategorie des Massenprodukts greifen, die für seinen Typ fabriziert ist.“ (Horkheimer/Adorno2008: 131)
Der Kunde/ die Kundin ist daher nicht KönigIn sondern nur ein beliebig austauschbares Objekt der Kulturindustrie. Er/ Sie kann nur zwischen dem ihm/ ihr Gebotenen auswählen und seine/ihre Wünsche nur im Rahmen der von der Kulturindustrie gebotenen Möglichkeiten denken. (vgl. Horkheimer/Adorno2008: 150) Die vorgegaukelte „Pseudoindividualität“, die von der Kulturindustrie feilgeboten wird ist somit nur ein weiteres ihrer Produkte.
„personality bedeutet ihnen kaum mehr etwas anderes als blendend weiße Zähne und Freiheit von Achselschweiß und Emotionen.“ (Horkheimer/Adorno2008: 176)
In diesem Zitat zeigt sich besonders gut der Warencharakter, den Persönlichkeit heute angenommen hat. Durch den Erwerb verschiedener Produkte werden den KonsumentInnen auch verschiedene Zuschreibungen verkauft. Die Produkte, wie zum Beispiel Musik, TV-Sendungen, Bekleidung, Zeitschriften und so weiter, gelten als „elegant“, „sportlich“, „jung“, „alt“, „alternativ“, „konservativ“, „extrovertiert“, „introvertiert“, „proletarisch“ oder „intellektuell“. Man kauft also nicht nur ein Produkt, um damit den gewünschten Zweck zu erfüllen (zum Beispiel: Kleidung, um sich zu bedecken) sondern es werden dadurch auch symbolische Attribute verkauft, die uns helfen sollen, andere Menschen einzuordnen, sie einzuschätzen und dadurch berechenbar zu machen.
Auch sämtliche Gefühlsregungen, Sprache, Gestik der Personen werden von der Kulturindustrie beeinflusst und werden auch dementsprechend wiedergegeben. Der Mensch wird „zum erfolgsadäquaten Apparat …, der bis in die Triebregungen hinein dem von der Kulturindustrie präsentierten Modell entspricht.“ (Horkheimer/Adorno2008: 176)
5. KULTURINDUSTRIE UND HERRSCHAFT
„Technische Rationalität heute ist die Rationalität der Herrschaft selbst.“
(Horkheimer/Adorno2008: 129)
Am Markt können sich nur die „ökonomisch Stärksten“ durchsetzen und dadurch die gesellschaftlichen Standards vorgeben. Da die Kulturindustrie selbst im Vergleich zu anderen Sektoren, wie der Politik, Technik, Wirtschaft et cetera, schwach ist, hat sie sich diesen Gesetzmäßigkeiten unterzuordnen. (vgl Horkheimer/Adorno2008: 129f)
Daher muss sie den ökonomischen Gesetzen gehorchen und ihre Waren nach deren Maßstäben produzieren, diese geht zumeist auf Kosten des künstlerischen Anspruchs, den Film oder Musik einst innehatten.
„Die Stereotype Übersetzung von allem, selbst dem noch gar nicht Gedachten ins Schema der mechanischen Reproduzierbarkeit übertrifft die Strenge und Geltung jedes wirklichen Stils, mit dessen Begriff die Bildungsfreunde die vorkapitalistische Vergangenheit als organische verklären.“ (Horkheimer/Adorno2008: 135)
Kunstwerke werden also nur im Rahmen ihrer technischen Reproduzierbarkeit gedacht, was sich zum Beispiel auf die Dauer oder den Aufbau auswirkt. Konnten Komponisten früher ohne Rücksicht auf ein leicht reproduzierbares Format ihre Werke gestalten, so waren es später die Schallplatten, auf denen die Dauer der Aufnahme begrenzt war. Ein Stück, dass einer Stunde dauert, kann nicht auf eine Platte gepresst werden, daher wird es auch nicht produziert, unabhängig vom künstlerischen Gehalt. Genauso verhielt es sich mit der Kassette, deren Aufnahme auf 60 beziehungsweise 90 Minuten beschränkt waren, sowie der CD, auf der ein Album maximal 74 Minuten dauern kann. Durch diese, durch das Format, das die „ökonomisch Stärksten“ festlegen, bedingte, Einschränkungen kamen die meisten KünstlerInnen gar nicht mehr auf die Idee, diesem Format nicht entsprechende Werke zu produzieren. Sie gehorchten dem Diktat des Formats. Ein Großteil der heute komponierten Werke dauert zwischen drei und vier Minuten, in denen ein sanfter Einstieg, drei- bis viermal der Refrain und ein harmonischer Ausklang Platz finden müssen. Dies ist vor allem deswegen von Bedeutung, da die Lieder somit problemlos in Radiosendungen ein- und ausgefadet (langsames ein- und ausspielen der Nummer) werden können. Ein Werk, das zehn Minuten dauert und dessen Gesamtaufbau sich erst gegen Ende entfaltet, kann von populären Radiosendern schlichtweg nicht gespielt werden, da des Stück stets von Verkehrsdurchsagen, Reklame, Kommentaren des Moderators/ der Moderatorin oder dergleichen unterbrochen werden würde.
Somit erweist sich die Kulturindustrie für Hokheimer und Adorno als das Ziel des Liberalismus:
- es überlebt nur, wer sich eingliedert
- den Tüchtigen wird freie Bahn gewährt
- Befolgung der allgemeinen Gesetze des Kapitals
(vgl Horkheimer/Adorno2008: 139f)
Unterwirft man sich nicht diesen Kräften, so kommt es zur ökonomischen Ohnmacht und folglich zur geistigen. (vgl. Horkheimer/Adorno2008: 141) Zusätzliche, um auch den letzten Willen zu brechen, werden diejenigen, die sich diesen Kräften nicht beugen gerne als Sonderlinge, „seelische Krüpel“ oder dergleichen dargestellt. (Adorno2003: 88f) Was natürlich wieder besonders perfide ist, da diejenigen, denen es widerstrebt sich unterzuordnen beziehungsweise die, die die Absicht der Kulturindustrie durchschaut haben, in den dunkelsten Farben gezeichnet werden. Sie sind der prototypische Gegenpart zu dem von der Kulturindustrie gezeichneten Bild der „Normalität“.
“Anstatt dem Unbewußten die Ehre anzutun, es zum Bewußtsein zu erheben und damit zugleich seinen Drang zu erfüllen und seine zerstörende Kraft zu befrieden, reduziert die Kulturindustrie, an ihrer Spitze das Fernsehen, die Menschen mehr noch auf unbewußte Verhaltensweisen, als die Bedingungen einer Existenz zuwege bringen, die den mit Leiden bedroht, der sie durschaut, und dem Belohnung verspricht, der sie vergötzt.” (Adorno2003: 78)
März 15th, 2010 at 10:32
bin auf die Fortsetzung gespannt. Hab mir von Pierre Bourdieu “Über das Fernsehen” reingezogen und der schreibt ähnlich über diesen Sachverhalt . Er stellt Parallelen zum Journalismus her der sich in einem interdependenten System sich immer wieder unter dem Primat der Zuseher-/Leser -quote selbst reproduziert. Dieser Effekt findet sich in allen Informations (re) produzierenden Positionen wieder…
März 18th, 2010 at 11:57
freut mich, dass du es mitverfolgst!
hab da mal folgendes geschrieben:
ja, bourdieu geht a in a ähnliche richutng…. aber bourdieu is schon a zeit her bei mir..
Medien, insbesonders das Fernsehen durch seine enorme Reichweite, sollen den Geschmack einer möglichst breiten Gruppe treffen. Das geht nur durch „Omnibus-Meldungen“, Themen die nicht anecken oder gar Probleme aufwerfen. Zudem treten Fernsehjournalisten oft als Moralaposteln auf, die die vorherherrschenden mentalen Strukturen unangetastet lassen und Vertreter einer kleinbürgerlichen Moral sind. So hat das Fernsehen ein faktisches Monopol der Informationsweitergabe („Was kommt in den Hauptabendnachrichten?“; „Was interessiert die ZuseherInnen?) und der daraus resultierenden „öffentlichen Meinung“.
Vor allem bei Skandalen (siehe „Fall Krems“, „Kopftuchstreit“, „Jugendbanden“,…) spielen sich Medien als Verfechter der öffentlichen Moral, die sie selbst erzeugen, auf und deren Urteil bereits vor dem Richtspruch feststeht.
more to come
März 18th, 2010 at 12:03
ich hoffe nach den schwer pessimistischen ansichten am schluss noch eine befriedigende kritik an der kritischen theorie geben zu können und wie man dem wahnsinn dennoch entrinnen bzw für sich nutzen kann!